Entstehung und Ziele

1. Geschichte

Träger der Drogenhilfeeinrichtung k!ck ist die aidshilfe dortmund e.v.. Sie ist neben dem Engagement im Drogenhilfebereich mit einer weiteren Einrichtung in ihrem originären Handlungsfeld, der AIDS-Prävention und –Beratung, tätig.

Hervorgegangen ist die jetzige Drogenhilfeeinrichtung aus einem niedrigschwelligen Kontaktcafé für Konsumenten illegaler Drogen.
Die aidshilfe übernahm im Jahr 1998 die Trägerschaft dieser Anlaufstelle, die bis dahin durch betroffene Drogenkonsumenten im Rahmen einer Selbsthilfeinitiative (JES) betrieben wurde.

Veränderte sich bereits damals die konzeptionelle Ausrichtung mit der Einstellung zweier hauptamtlicher pädagogischer Mitarbeiter grundlegend, vollzog sich 1999 mit der Eröffnung einer Drogentherapeutischen Ambulanz ein weiterer Schritt in Richtung einer Professionalisierung: Es wurden zwei weitere hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt, um ein Angebot medizinischer Grundversorgung für Drogenkonsumenten in Dortmund zu etablieren.

Die Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) im April 2000 mit der Einfügung des § 10 a, der die Bundesländer ermächtigt, durch Rechtsverordnungen den Betrieb von Drogenkonsumräumen zuzulassen, war dann der ‚Startschuss’ für die letzte Erweiterung der Drogenhilfeeinrichtung k!ck:
Mit dem Inkrafttreten der Verordnung über den Betrieb von Drogenkonsumräumen in Nordrhein-Westfalen im September 2000, die damit endgültig eine Rechtsgrundlage für derartige Hilfeangebote schaffte, begann ein intensives Bewerbungsverfahren um die Trägerschaft eines Drogenkonsumraums in Dortmund, das schließlich im April 2001 zu Gunsten der aidshilfe dortmund e.v. abgeschlossen wurde.
Im Januar 2002 wurden zur Umsetzung des Konsumraumangebotes vier weitere hauptamtliche Sozialarbeiter eingestellt, ergänzt durch fünfzehn studentische Mitarbeiter.
Im Mai 2002 schließlich konnte der Drogenkonsumraum nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens durch das Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW in Betrieb genommen werden.

 

2. Ziele

…einfach (über-)leben!

Hinter dieser Kurzformel verbirgt sich die Philosophie der Drogenhilfeeinrichtung k!ck: Einen Beitrag zu leisten, durch den Menschen trotz oder mit ihrer Drogenabhängigkeit (über-)leben können und mit denen die Gesellschaft „leben“ kann.
Nicht mehr und nicht weniger.

Was scheinbar alle wissen:

Der Konsum „harter“ Drogen verursacht eine Vielzahl von Folgeproblemen.

Was oftmals aber nur wenige wissen:

Permanente Angst und Stress:
Abhängigkeit bedeutet, dass sich Drogengebraucher mehrmals täglich die illegalen Drogen und das dazu nötige Geld beschaffen müssen. Zur Angst vor Polizei und Entzug kommen Auseinandersetzungen mit Dealern, Beschaffungskriminalität und -prostitution.

Fehlendes Reinheitsgebot:
Straßendrogen werden z.B. mit Strichnin oder Backpulver gestreckt. Der Konsum dieser Cocktails führt durch die Verunreinigungen oft zu Abszessen oder Herz-/Kreislauferkrankungen.

Schwankender Reinheitsgehalt:
Der Konsum wird dadurch zum „russischen Roulette“. Ist der Reinheitsgehalt hoch, tritt eine Überdosierung ein - das Resultat: Atemlähmung und, falls nicht rechtzeitig Hilfe geleistet wird, der Erstickungstod.

Beikonsum:
Heroin und Kokain sind teuer, daher werden zusätzlich Alkohol oder Pillen konsumiert, es entstehen weitere Abhängigkeiten. Das Auftreten psychiatrischer Erkrankungen, das Absenken von Hemmschwellen und dadurch gesteigerte Aggressivität sowie ein noch verantwortungsloserer Umgang mit den Drogen und dem eigenen Körper sind vielfach die Folgen.

Körperpflege und Hygiene:
Sie treten unter diesen Bedingungen oft in den Hintergrund, ebenso regelmäßige Mahlzeiten. Unter- und Fehlernährung, Verwahrlosung und gesundheitliche Probleme sind die Konsequenzen.

Infektionsgefahren:
Spritzen und andere Utensilien werden gemeinsam verwendet, so dass ein hohes Risiko der Infizierung mit Hepatitis oder HIV entsteht. Beschaffungsprostitution vervielfacht diese Gefahr.

Gesundheitsgefahren:
Gebrauchte Spritzen und der Konsum unter unhygienischen Bedingungen (in Gebüschen, auf öffentlichen Toiletten) verursachen u. a. Entzündungen an den Venen und Abszesse.

Wirtschaftliche Notlagen:
Aus dem Verlust der Arbeitsfähigkeit etwa resultieren weitere Probleme und neue Abhängigkeiten. Drogenabhängige geraten generell in die soziale Randlage.

Liegengelassene Spritzen:
An öffentlichen Orten gefährden sie andere Menschen.

 

Die Drogenhilfeeinrichtung k!ck leistet in diesem Kontext mit szenenahen Hilfen einen Beitrag, um

  • die alltäglichen Lebensbedingungen von Drogenkonsumenten zu erleichtern,
  • ein Mindestmaß an Menschenwürde zu ermöglichen,
  • Infektions- und Gesundheitsrisiken zu reduzieren,
  • Überleben zu sichern,
  • bei Bedarf den Weg aus der Abhängigkeit zu finden,
  • Belastungen und Gefährdungen für die Gesellschaft zu mindern.

Die Drogenhilfeeinrichtung k!ck integriert folglich ein differenziertes System niedrigschwelliger Hilfen von der reinen Überlebenshilfe bis etwa zur Vermittlung in eine Entgiftungseinrichtung.

Konkret bedeutet das: Während der gesamten Öffnungszeiten stehen den Besuchern sämtliche unten skizzierten Angebote der Einrichtung zur Verfügung.
Entsprechend der Verzahnung von Gesundheitsprävention und differenzierter Begleitungs- und Betreuungsaktivitäten werden diese von einem interdisziplinären Team von Mitarbeitern mit medizinisch/krankenpflegerischer und sozialpädagogischer Ausbildung erbracht.

Auf einen Blick:

Kontaktcafé

  • Rückzugsraum & Beziehungspflege
  • Spritzentausch
  • Essen & Trinken
  • Duschen & Wäsche waschen

Sozialarbeiterische Hilfen

  • Information und Unterstützung
  • Vermittlung
  • Motivationsarbeit
  • Krisenintervention

Drogentherapeutische Ambulanz

  • Beratung & HIV-Test
  • Weitervermittlung
  • Allgemeinmedizinische Behandlung
  • Wundbehandlung

Drogenkonsumraum

  • Hygienische Räume & Utensilien
  • Notfallintervention
  • stressfreie Umgebung
  • Safer-Use-Beratung & -Information

 

3. Zielgruppe

Zielgruppe sind generell Konsumenten illegalisierter Drogen, Ehemalige, Substituierte und deren Angehörige.

Durch die Einrichtung des Konsumraumes liegt der Schwerpunkt inzwischen aber auf Personen aus der offenen Drogenszene, die sich in einer akuten Suchtphase befinden. Vielfach weisen sie vor allem durch die Illegalisierung des Konsums massive körperliche, aber auch psychische und soziale Defizite auf.

Insbesondere werden durch die Akzeptanzorientierung Drogengebraucher angesprochen, die durch andere, höherschwellige Hilfeangebote bislang nur bedingt erreicht wurden.

Dennoch: Aufgrund der Heterogenität von individuellen Drogengebrauchsmustern, „Karrieren“ und damit auch der Szene ist der Rahmen im k!ck in Abgrenzung zu vergleichbaren Angeboten, die allein „Altjunkies“ oder „Therapieresistente“ als ihre Adressaten definieren, prinzipiell recht offen gehalten.
Folglich lassen sich große Unterschiede der Besucher hinsichtlich soziodemografischer Daten, Lebenssituation, Drogenkonsum und Kontakt zur Drogenhilfe beobachten. Der Nutzen, der aus dem Angebot gezogen wird, unterscheidet sich aus individueller Sicht insofern erheblich.