Drogenkonsumraum

Angebote

Für den Drogenkonsumraum gelten folgende Angebote:

  • Bereitstellung einer Möglichkeit zur hygienisch-kontrollierten Applikation von mitgeführten Drogen (Besitz zum Eigenverbrauch in geringer Menge - § 31 a BtmG)
  • Ausgabe von sterilen Spritzen und Utensilien
  • Soforthilfe bei Überdosierungen und Drogennotfallsituationen
  • Vermittlung von Safer-Use-Techniken
  • Sachgerechte Entsorgung des infektiösen Materials
  • Beratung über risikoärmeres Konsumverhalten
  • Beratung zur Senkung des Infektionsrisikos


Der Konsum von Betäubungsmitteln im Drogenkonsumraum kann Opiate, Kokain, Amphetamine oder deren Derivate sowie Benzodiazepine betreffen und intravenös, inhalativ, nasal oder oral erfolgen.
Eine Substanzanalyse darf aus rechtlichen Gründen nicht durchgeführt werden.

Ziele
Der Drogenkonsumraum steht im engen Verbund (räumlich, personell und zeitlich) mit dem Kontaktcafé und der Drogentherapeutischen Ambulanz. Durch diese Verknüpfung steht den Nutzern die gesamte Angebotspalette der Drogenhilfeeinrichtung ohne größeren Aufwand zur Verfügung.

Der Drogenkonsumraum schafft nicht nur einen Rahmen, in dem die Besucher hygienischer und stressfreier (ohne Kriminalisierungsdruck) ihre Drogen konsumieren können, sondern ermöglicht auch die Weitergabe von Informationen zu Safer-Use und Safer-Sex. Ziel ist die Schaffung einer Atmosphäre, in der sich Regeln und Rituale für einen dauerhaften risikoloseren Drogenkonsum auch außerhalb der Einrichtung entfalten können.

Damit trägt der Drogenkonsumraum angesichts hoher HIV- und Hepatitisinfektionsraten unter Drogenkonsumenten sowie der immer noch zu hohen Zahl von Drogentoten wesentlich dazu bei, ein Überleben der Drogenabhängigen zu sichern, bleibende Gesundheitsschäden zu minimieren und ggf. sogar den Einstieg in den Ausstieg einzuleiten.

Im Einzelnen sind die Ziele:

  • das Überleben der Betroffenen zu sichern: Dazu sind permanent notfallmedizinisch ausgebildete und geschulte Mitarbeiter anwesend, die in Notfallsituationen unmittelbar eingreifen.
  • Gesundheitsgefahren zu reduzieren: So werden sterile Konsumutensilien und die entsprechenden Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt. Neben einem Konsumraum für den inhalativen Gebrauch mit insgesamt 10 Plätzen verfügt die Drogenhilfeeinrichtung k!ck auch über einen Raum für den intravenösen Konsum mit acht Plätzen.
  • gesundheitsschonende Strategien zu vermitteln und für Drogengebrauchsrisiken zu sensibilisieren: Angeboten werden Safer-Use-Infos, Erste-Hilfe-Schulungen für Drogenkonsumenten, sowie generell eine stressfreie Konsumatmosphäre, in der Regeln und Rituale kommuniziert und weiterentwickelt werden können.
  • ggf. den Einstieg in den Ausstieg einzuleiten: Sozialpädagogische Fachkräfte sind stets unmittelbar anwesend, um entsprechende Gesprächsangebote machen und in weiterführende Hilfen vermitteln zu können.
  • die Belastungen der Öffentlichkeit zu reduzieren: Durch die Möglichkeit des legalen Konsums im DKR wird per se der Umfang des Konsumgeschehens und von Spritzenfunden im öffentlichen Raum vermindert.


Gleichwohl ist zu betonen: Konsumraumangebote versprechen zwar eine Senkung der Mortalitätsraten und eine Entlastung der Öffentlichkeit, die Lösung des gesellschaftlich produzierten Drogenproblems werden sie aber nicht leisten können.
Weder können öffentlich sichtbare Drogenszenen gänzlich zum Verschwinden gebracht werden, noch wird die Beschaffungskriminalität eingedämmt.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass es auch mit einer Ausweitung der Konsumraumangebote im Sinne einer „Rund-um-Betreuung“ nicht gelingen kann, alle Drogenabhängigen jederzeit zu erreichen.

Konsumräume stellen nur einen Baustein im Rahmen umfassender und differenzierter Hilfeangebote zur Gesundheitsförderung und Harm-Reduction dar. Eine neuere wissenschaftliche Evaluationsstudie zum Gesundheitsraumangebot in drei europäischen Städten kommt zu den Ergebnissen, daß integrativ konzipierte Konsumräume geeignet sind, langfristig die Nachfrage nach weiterführenden Hilfsangeboten zu erhöhen, insofern Rehabilitation und Integration von zwanghaft und exzessiv Drogengebrauchenden auf lange Sicht zu fördern. Durch die szenenahe Vermittlung von Safer-Use-Botschaften wird ferner eine wirksame Gesundheitsförderung gewährleistet (vgl. Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung 2001, S. 289).

Zielgruppe

Die Zielgruppe ist durch die rechtlichen Vorgaben klar eingegrenzt:

  • Zutritt darf nur volljährigen Drogenabhängigen aus Dortmund gewährt werden.
  • Keinen Zugang erhalten erkennbar intoxikierte Personen, bei denen die Benutzung des Konsumraumes ein erhöhtes Gesundheitsrisiko verursachen könnte.
  • Offensichtliche Erst- oder Gelegenheitskonsumenten werden ebenso ausgeschlossen, wie
  • Personen, denen erkennbar, insbesondere wegen mangelnder Reife, die Einsichtsfähigkeit in die durch die Applikation erfolgende Gesundheitsschädigung fehlt.

Drogengebraucher, die den Konsumraum nutzen möchten, müssen mit der aidshilfe dortmund e.v. einen Nutzervertrag abschließen. Dazu ist ein Identifikationsnachweis, aus dem auch der Wohnort ersichtlich ist, zu erbringen.

Insgesamt büßt die Einrichtung durch diese relativ engen Grenzen und die zur Umsetzung nötigen, sehr aufwändigen Kontrollmechanismen leider an ihrem eigentlichen Charakteristikum, der Niedrigschwelligkeit, ein. Dies geht natürlich auch zu Lasten der Reichweite.

Gleichwohl setzt die aidshilfe als Träger die mit den kommunalen Kooperationspartnern abgestimmten Zulassungskriterien konsequent um, um

  • einerseits die guten und pragmatischen Kooperationsbeziehungen u. a. zu den Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden nicht zu gefährden,
  • andererseits die Mitarbeiter vor der Gefahr einer eigenen Strafbarkeit zu schützen (vgl. Rechtliche Rahmenbedingungen – Fazit).